Du hast ein Unternehmen und möchtest wissen, ob es erfolgreich ist. Die üblichen Kennzahlen liefern Dir nur die halbe Wahrheit.
Das Ziel einer Kennzahl
Wie ermittelst Du den Erfolg Deines Unternehmens? Du betrachtest Kennzahlen, die Dir eine Momentaufnahme eines bestimmten Aspekts der Firma geben.
Es gibt Hunderte von Kennzahlen, die berechnet werden können. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie geben Dir nur Aufschluss über einen sehr kleinen Ausschnitt des Unternehmens in einem bestimmten Bereich. Es gibt keinen Leistungsindikator, der Dir das Gesamtbild liefert.
Was ist also das Ziel einer Kennzahl? Sie soll Dich über einen konkreten Bereich Deines Unternehmens informieren.
Um konkret zu werden, hier einige Beispiele:
👉 Die Anzahl neuer Leads pro Monat gibt Dir einen Eindruck vom Erfolg Deiner Vertriebs- und Marketingaktivitäten.
👉 Das monatliche Verkaufsvolumen zeigt Dir den Umsatz oder das Umsatzpotenzial, je nachdem, was Du betrachtest. (Wenn Du Verträge zählst, handelt es sich um potenzielle Umsätze. Wenn Du die Rechnungsbeträge zählst, handelt es sich um Umsatz.)
👉 Die monatlichen Kosten geben Aufschluss über die Ressourcen, die Du zur Vertragserfüllung benötigt hast. Diese Informationen können natürlich detailliert oder weniger detailliert sein. Das hängt von der verwendeten Tabelle ab.
👉 Der Gewinn des Monats ergibt sich einfach aus den Einnahmen abzüglich der Kosten.
👉 Darüber hinaus gibt es zahlreiche operative Kennzahlen für bestimmte Branchen, wie z. B. Produktionszeit, Ausschussquote, durchschnittliche Krankheitstage, durchschnittliche Ausfallzeiten und vieles mehr.
Was die üblichen Kennzahlen aussagen
Das Problem mit all diesen Zahlen ist, dass keine von ihnen für eine Gesamtbeurteilung geeignet ist. Lass mich Dir zeigen, was ich meine:
| Kennzahl | Inhalt | Gefahr bei der Interpretation |
|---|---|---|
| Umsatz | Summe der in Rechnung gestellten Beträge | Der Umsatz kann wachsen, obwohl man Verluste macht. |
| Kosten | Summe aller Aufwendung | Ein Anstieg dieses Werts ist häufig negativ, kann aber auch positiv sein, vor allem bei Wachstum. |
| Verkaufsvolumen | Summe der Beträge von Neuverträgen | Nicht das gesamte Verkaufsvolumen wird Umsatz. |
| Profit | Umsatz minus Kosten | Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem kurz vor der Pleite stehen. (Das liegt daran, dass das Schreiben von Rechnungen als Umsatz zählt, nicht die Bezahlung durch die Kunden.) |
Ich habe Beispiele von absolut „profitablen“ Unternehmen gesehen, die aufgeben mussten. Ihnen fehlte die Liquidität, um weiterzumachen.
Und hier kommen wir zum Kern der Sache. Es ist Liquidität die Unternehmen überleben lässt.
Was Dir der Cashflow verrät
Unternehmen an der Börse müssen aus gutem Grund eine Kapitalflussrechnung veröffentlichen. Die Zahlen basieren nicht auf subjektiven Bewertungen, sondern zeigen die nüchterne Wahrheit über die tatsächlichen Geldflüsse.
Die Standard-Kapitalflussrechnung besteht aus drei Kennzahlen:
- Cashflow aus operativer Tätigkeit
- aus Investitionstätigkeit
- und aus Finanzierungstätigkeit
Wie man diese Kennzahl berechnet, hängt von der Methode ab. Beide Methoden führen jedoch zum gleichen Ergebnis.
Warum ist der Cashflow also ein so wichtiger KPI für Unternehmen?
Ganz einfach!
Erstens benötigst Du keinen Buchhalter oder sonstige Experten für die Berechnung.
Zweitens lässt er sich nicht durch subjektive Wertvorstellungen verfälschen.
Und drittens beseitigt er die Unsicherheit oder Gefahr, die in den üblichen Kennzahlen steckt.
Stell Dir vor, Du siehst einen übersichtlichen Kontoauszug. Er zeigt Dir alle Posten in praktischer Reihenfolge.
Ganz oben findest Du alle Zahlungseingänge Deiner Kunden. Darunter findest Du alle Ausgaben für Waren und Materialien, Mitarbeiter, Fahrzeuge, Miete, Versicherungen, Energie, Software usw. Direkt darunter siehst Du die Summe Deines operativen Cashflows.
Es ist nicht, was in Rechnung gestellt wurde, sondern nur, was tatsächlich eingegangen ist!
Es ist auch nicht das, was Deine Lieferanten verlangen, sondern das, was Du tatsächlich bezahlt hast!
Und hier liegt der große Vorteil einer Cashflow-Rechnung. Auf Deinen Kontoauszügen findest Du auch Positionen, die nichts mit Deinem operativen Geschäft zu tun haben.
Wenn Du beispielsweise einen Kredit aufnimmst, fließt Geld aufs Konto. Die Rückzahlung dieses Kredits gehört nicht zu Deiner normalen Geschäftstätigkeit. Diese Positionen bilden Deinen Finanzierungscashflow.
Auch der Kauf eines Autos, eines Computers oder von Möbeln zählt zu den Investitionen und nicht zum operativen Geschäft. Daher trennt man diese Ausgaben vom normalen Cashflow und zählt sie zur Investitionstätigkeit.
Nebenbei bemerkt: Ich habe gerade die direkte Methode zur Berechnung Deines Cashflows beschrieben. Es gibt auch eine indirekte Methode, die große Unternehmen üblicherweise in ihren Abschlüssen verwenden. Ich bin jedoch der Meinung, dass die direkte Methode für kleine Unternehmen aussagekräftiger und einfacher zu ermitteln ist.
Wie Du Deinen Cashflow ermittelst
Ich zeige Dir beispielhaft meine Methode zur Cashflow-Berechnung. Jeder, der sich für seine Zahlen interessiert, kann diese sicherlich anpassen und seine eigene Logik entwickeln.
| Einzahlungen von Kunden aus Hauptleistung (brutto) | 61.000,00 € |
| Einzahlungen von Kunden aus Nebenleistung (brutto) | 5.300,00 € |
| Andere Einzahlungen (brutto) | 1.500,00 € |
| Auszahlungen für Marketing (brutto) | -2.300,00 € |
| Auszahlungen für Mitarbeiter | -21.700,00 € |
| Auszahlungen für SV & Steuern auf Gehälter | -12.700,00 € |
| Auszahlungen für Miete | -6.000,00 € |
| Auszahlungen für Telefon, Internet & Software (brutto) | -6.200,00 € |
| Auszahlungen für den Betrieb der Autos (brutto, ohne Kreditraten) | -3.200,00 € |
| Auszahlungen für alle sonstigen operativen Dinge | -4.200,00 € |
| Auszahlungen für Umsatzsteuer | -7.900,00 € |
| Auszahlungen für Ertragssteuern | -1.000,00 € |
| = Cashflow aus operativer Tätigkeit | 2.600,00 € |
| Einzahlungen aus dem Verkauf von Anlagevermögen | 0,00 € |
| Auszahlungen für den Kauf von Anlagevermögen | -2.400,00 € |
| Einzahlungen aus Zinsen und Dividenden | 4,00 € |
| = Cashflow aus Investitionstätigkeit | -2.396,00 € |
| Einzahlungen von Eigentümern (EK-Finanzierung) | 0,00 € |
| Auszahlung von Dividenden an Eigentümer | -1.000,00 € |
| Einzahlungen von Darlehen (FK-Finanzierung) | 0,00 € |
| Auszahlungen für Rückführung von Darlehen (ohne Zinsen) | -3.300,00 € |
| Auszahlungen für Zinsen auf Darlehen | -1.100,00 € |
| = Cashflow aus Finanzierungstätigkeit | -5.400,00 € |
| = Summe Cashflow (operativ + Investitionen + Finanzierung) | -5.196,00 € |
In diesem Beispiel siehst Du, dass der operative Cashflow positiv ist und die Investitionen deckt. Er reicht jedoch nicht aus, um auch die Finanzierungsseite zu decken. Daher ist der Gesamt-Cashflow negativ.
Das Beste daran ist, dass kleine Unternehmen monatlich nur etwa 5 bis 10 Minuten benötigen, um die Tabelle auszufüllen. Ordne einfach die Positionen aus dem Kontoauszug den entsprechenden Feldern zu.
Schreiben ohne Publikum ist wie Gin ohne Tonic. Wenn Du diesen Beitrag nützlich fandest, freue ich mich über einen Kommentar und heiße Dich als Abonnenten herzlich willkommen. Vielen Dank für Dein Interesse.
