Andre rollt mit den Augen wegen der negativen Charaktereigenschaften mancher Gründer.

Die 2 Eigenschaften, die jeden Gründer sofort disqualifizieren5 min Lesezeit

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Manche Gründer sind einfach nicht für den Job geeignet. Von nun an lasse ich sie scheitern.

Versteht mich nicht falsch, ich möchte wirklich Menschen und insbesondere Gründern helfen. Ich finde es bereichernd, und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja irgendwann etwas Positives daraus.

Ich komme auch in ein Alter, in dem es einem immer weniger wichtig ist, vor anderen Recht zu haben. Die Engländer haben dafür ein Sprichwort: „Been there. Done that. Got a t-shirt.“ („War dort. Hab’s gemacht. Hab ein T-Shirt bekommen.“) Wenn ich etwas schon mal gesehen habe, kenne ich die Lösung oder zumindest, wie man das Problem angeht. Da braucht es keine Diskussion mehr.


Eigenschaft Nr. 1 hindert Gründer am Lernen

Natürlich stoße auch ich immer wieder auf neue Probleme und weiß meistens nicht, wie ich sie angehen soll. Meine wichtigste Eigenschaft, auf die ich immer stolz war, ist der Wille zu lernen.

In meinem Beruf treffe ich viele Gründer, die noch recht „dienstjung“ sind. Manche haben ihr Unternehmen erst seit ein paar Monaten. Andere haben es ein oder zwei Jahre. (Nach etwa drei bis fünf Jahren gibt es einen deutlichen Einbruch in den Zahlen.)

Normalerweise kann ich ihnen bei einzelnen Problemen helfen. Ich gebe Ratschläge, worauf sie sich am Anfang konzentrieren sollten. Ich habe etwas Erfahrung im Marketing. Ich kenne mich mit einigen allgemeinen Anwendungsbereichen bestimmter Gesetze aus und habe viel Finanzwissen. Ich wirklich kein Problem damit, immer mal etwas „einzuflechten“ ins Gespräch.

5 Beispiele in einem Jahr

Letztes Jahr habe ich fünf Unternehmen scheitern sehen: zwei Friseursalons, zwei Restaurants und einen Influencer/Model/Medien-Freelancer. Fairerweise muss man sagen, dass noch nicht alle gescheitert sind. Aber sie befinden sich alle in einer Situation, in der jeder mit Erfahrung sieht, dass sie nicht mehr gewinnen können.

Ich kenne alle Inhaber persönlich, und sie alle haben etwas gemeinsam.

Erstens habe ich in allen fünf Fällen auf die wahrscheinlichen Fehler hingewiesen, BEVOR sie diese begangen haben!

Zweitens hätte ich ihnen allen geholfen, wenn sie gefragt hätten.

Drittens glaube ich heute, dass der Hauptgrund für ihre jetzige Situation darin liegt, dass sie sich das nötige Wissen nicht aneignen wollten oder konnten.

„Vorsätzliche Ignoranz“ ist der passende Begriff. Sie waren stolz darauf, alles über ihr Fachgebiet zu wissen, aber nichts darüber hinaus.


Eigenschaft Nr. 2 hindert Gründer am Aufbau eines Unternehmens.

Es gibt noch eine weitere Charaktereigenschaft, die vielleicht nicht so häufig vorkommt, aber für Gründer genauso verheerend sein kann.

Eine von den zwei Friseuren hatte gerade erst angefangen und ein bestehendes Unternehmen von einer älteren Inhaberin übernommen, die in den Ruhestand gehen wollte. Die Bewertung war wahrscheinlich etwas hoch, aber nicht völlig übertrieben.

Sie hatte einen schwierigen Start, da ihre beiden Angestellten direkt nach ihrer Übernahme kündigten. Nicht alle Kunden konnten sich damit abfinden, dass die alte Inhaberin nicht mehr da war. Und es kam sogar vor, dass sie wegen ihrem ausländischen Familienhintergrund kritisiert wurde.

In mehreren unserer Gespräche betonte sie, dass ihr Start, sagen wir mal, „nicht so verlaufen ist wie erwartet“.

Und in mehr als einem unserer Gespräche habe ich ihr klargemacht, dass es niemanden interessiert. (Ich gebe zu, das war vielleicht etwas zu hart.)

Ich verstehe es. Das war rassistisch. Diese ein, zwei Vorfälle … (und ich würde ihr sogar zehn zugestehen). Ich weiß, es ist beleidigend. Ich habe selbst meinen Anteil erlebt. Aber …

Dem Markt ist das egal!

Ich weiß auch, wie es sich anfühlt, zu viel für ein Unternehmen zu bezahlen, von einem Kunden angebrüllt zu werden, mitansehen zu müssen, wie Mitarbeiter ihre Position für höhere Gehälter ausnutzen, von denselben Mitarbeitern, denen man gerade mehr Geld gezahlt hat, verraten zu werden, Geld zu verlieren, schlechte Verträge zu unterschreiben und vieles mehr.

Ich wiederhole: Dem Markt ist das egal.

Die Einstellung zählt

Ich verstehe, dass wir alle nur Menschen sind und dass wir manchmal einen Moment brauchen, um Dampf abzulassen, zu weinen, zuzuschlagen, zu treten, zu fluchen und zu fliehen.

Aber wenn man etwas aufbauen will, muss man wieder aufstehen, den Staub abklopfen, den Kopf wieder heben und weitermachen. Man darf nicht zynisch oder menschenfeindlich werden. Resilienz ist das, was man braucht.

Wer das nicht kann, hat sich für das falsche Spiel entschieden.

Besonders schlimm an dieser Situation war, dass sie alle anderen für schuldig hielt, aber ihren eigenen Fehler nicht einsehen wollte.

Ich nenne das Selbstgerechtigkeit, und ich weiß, dass sie Gift für jede sinnvolle Kundenbeziehung ist.


Wie erkennt man solche Eigenschaften?

Im Grunde geht es darum, auf bestimmte Wörter zu achten.

Eine mangelnde Lernbereitschaft erkennt man leicht an Sätzen wie:

„Das sollte ich nicht tun müssen.“ oder

„Meine Aufgabe ist X, nicht Y.“

Genauso leicht zu erkennen ist, wenn jemand nur anderen die Schuld gibt:

„Deren Schuld.“

„Es war nicht meine Schuld.“

„Das haben die mir angetan.“

Das Problem ist aber nicht das Erkennen. Ich glaube, zumindest mein Problem ist, es zu realisieren und dann entsprechend zu handeln.

Ich kenne mich selbst, und in einer Situation werde ich das wahrscheinlich nicht erkennen. Normalerweise denke ich aber irgendwann über solche Szenen nach und bewerte sie. Vermutlich werde ich erst dann einen Moment der Klarheit erleben und sagen können: „Nein, das ist Zeit- und Energieverschwendung.“


Ohne Leserschaft zu schreiben ist wie Gin ohne Tonic.

Wenn Du das hilfreich fandest, bin ich erfreut einen Kommentar von Dir zu lesen und Dich als regelmäßigen Leser begrüßen zu dürfen.

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