UG, Gmbh, GbR,... - Welche Rechtsform soll ich wählen?

UG, Gmbh, GbR,… – Welche Rechtsform soll ich wählen?6 min Lesezeit

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Du bist Gründer oder überlegst, ob Du die Rechtsform wechseln solltest? Du kannst Dich nicht so richtig entscheiden? Nun, zu Unternehmensformen steht genug geschrieben. Hier also ein etwas anderer Blick auf die Frage „Welche Rechtsform soll ich wählen?“

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08 – UG, Gmbh, GbR,… – Welche Rechtsform soll ich wählen?

Einzelunternehmer als Rechtsform

In diese Kategorie fällt der mit Abstand größte Teil der deutschen Unternehmensformen, rund zwei Drittel. Ein Einzelunternehmen (e.K.) oder ein einfaches Gewerbe ohne Eintragung ins Handelsregister ist günstig zu gründen und relativ einfach in der Handhabung. Eine Eintragung ins Handelsregister ist nur unter gewissen Bedingungen hinsichtlich Umsatz und kaufmännischer Organisation verpflichtend.
Der große „Nachteil“ dieser Unternehmensform ist die persönliche Haftung. Damit einher geht auch der Gedanke, dass Kapitalgeber und Geschäftsführer nicht getrennt sind. Wer Einzelunternehmer oder Gewerbetreibender wird, führt automatisch die Geschäfte und muss jeden Euro Gewinn auf der persönlichen Ebene versteuern. Er kann sich selbst kein Gehalt im eigentlichen Sinn zahlen. Es gibt nur Privatentnahmen, die den Gewinn der Unternehmung nicht mindern.

Auch die Einbindung weiterer Eigenkapitalgeber fällt schwer. Die Unternehmensform ist dafür geschaffen, allein zu wirtschaften. Ein Vertrag über eine stille Beteiligung ist so ziemlich die einzige Möglichkeit, einen Investor mit an Bord zu holen. Die meisten Investoren (außerhalb der Familie) lehnen diese Form jedoch ab.

Wann sollte ich ein Einzelunternehmen als Rechtsform wählen?

In meinen Augen gibt es nur drei Situationen, die wirklich sinnvoll sind, um sich für das Einzelunternehmen zu entscheiden. 
Erstens, die Gründung soll nebenberuflich stattfinden. Wenn Du Dein Gewerbe nebenher führen möchtest, dann musst Du versuchen, alle Kosten so gering wie möglich zu halten. Dafür ist diese Rechtsform wie geschaffen. Im Normalfall wiegt der Kostenvorteil hier die Haftungsnachteile auf.
Zweitens, Du möchtest „erst mal testen“. Auch hier wirkt die schlanke Verwaltung und Einfachheit in der Organisation als Vorteil. Es lohnt sich einfach nicht, für ein Austesten schon eine vollwertige GmbH zu gründen. Der Aufbau und der Rückbau im Falle der Geschäftsaufgabe sind einfach zu zeit- und kostenintensiv.
Drittens, Du hast nicht genug Startkapital um eine andere Alternative zu verfolgen. Das kann auf jeden Fall ein Beweggrund sein. Und auch für solche Fälle gibt es ja genau die Möglichkeit ein Einzelunternehmen als Rechtsform zu wählen.

Personengesellschaften als Unternehmensform

Hierunter fallen die Kürzel GbR, OHG und KG. Du könntest es als Erweiterung des Einzelunternehmens ansehen. Es gibt immer noch die selben Haftungs- und Gewinnanrechnungsregeln wie beim Einzelunternehmen. Auch hier sind Kapitalgeber und Geschäftsführer nicht getrennt. Allerdings kann ich mich mit anderen (Eigenkapitalgebern) ganz offiziell zusammen tun.

In der Rechtsform der OHG haben alle Beteiligten die Möglichkeit, das Unternehmen nach außen zu vertreten. In einer GbR müssen die Beteiligten wenigstens zusammen entscheiden. Ein Zusammenschluss unter diesen beiden Logos solltest Du Dir also gut überlegen. Denn hier haftet auch jeder für die anderen. Auch mit dem Privatvermögen, versteht sich.

Bei der KG gibt es die Möglichkeit, „Nur-Kapitalgeber“ offiziell mit einzubinden. Diese Kommanditisten dürfen im Regelfall auch nicht mitentscheiden. Der Hauptgründer (=Komplementär) ist dann zugleich Geschäftsführer und Vollhafter, wie in den vorangegangenen Varianten auch.

Wann sollte ich eine Personengesellschaft als Rechtsform wählen?

Meiner Meinung nach ist das ein eher seltener Fall. Ich sehe hier nur die KG als halbwegs brauchbares Konzept für eine kostengünstige Variante Kapitalgeber an Bord zu holen. GbR und OHG sind zwar auch günstig, aber hier schlägt der Nachteil, wie Geschäftsführung, Haftung und Gewinnverteilung geregelt sind, deutlich zu Buche. 
Nahezu alle Beispiele, die ich zur GbR kenne, haben an irgendeinem Punkt eine Diskussion über Arbeitsbeteiligung und faire Gewinnverteilung geführt, die zur Auflösung der Gesellschaft führte.

Kapitalgesellschaften als Rechtsform

Kommen wir zur letzten Sparte. Hierunter fallen die UG, GmbH und AG . Wer eine GmbH oder AG anstrebt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Eine Unternehmergesellschaft zu gründen ist schon ab ein paar Hundert Euro (denn 1 Euro ist ein bisschen wenig) möglich. Der andere große Nachteil dieser Unternehmensformen ist der Verwaltungsaufwand. Versammlungen, Beschlüsse, Gehaltsabrechnungen für den Geschäftsführer, Jahresabschluss veröffentlichen und und und.

Diese Nachteile kommen aber mit vier immensen Vorteilen daher.

  1. Der Geschäftsführer muss nicht zwangsweise der Kapitalgeber sein, obwohl er es auch sein kann. Er bezieht ein Gehalt und ist somit „im Ergebnis der Gesellschaft“ enthalten.
  2. Diese Unternehmensformen zwingen Dich, die Rollen Eigentümer und Mitarbeiter ganz genau zu trennen. Damit verlangen Sie etwas, was vielen Selbstständigen erfahrungsgemäß sehr schwer fällt: Du musst mit dem Gehalt auskommen, dass Dir ausgezahlt wird. Du kannst nicht einfach in die Kasse greifen, mit der Begründung „Es ist ja eh meins!“. Es ist nämlich das Geld der Gesellschaft, einer anderen (juristischen) Person.
  3. Der Gewinn auf der Gesellschaftsebene erhöht nicht Dein persönliches Einkommen und wird entsprechend auch nicht bei Krankenkasse, Kinderbetreuung oder ähnlichem angerechnet.
  4. Das Gesellschaftsvermögen haftet, nicht Dein Privatvermögen. (Hier gibt es aber auch Ausnahmen, falls Du als Geschäftsführer nicht nach den Regeln spielst.)

Meiner Meinung nach wiegen diese Punkte den höheren Verwaltungsaufwand auf. Du wirst durch eine Kapitalgesellschaft als Unternehmensform quasi automatisch in die unterschiedlichen Rollen Mitarbeiter und Eigentümer schlüpfen. Und Du brauchst beide Perspektiven.

Wann sollte ich eine Kapitalgesellschaft als Rechtsform wählen?

Ob nun Unternehmergesellschaft, GmbH oder AG sinnvoll ist, entscheidet der Einzelfall. Grundsätzlich haben aber alle 3 Rechtsformen gemeinsam, dass sie eine gewisse Ernsthaftigkeit des Gründers benötigen. Sonst lohnt der Aufwand sie zu unterhalten meistens nicht.

Mein klares und natürlich subjektives Votum: 
Ich bin überzeugt, dass die UG für die meisten ernsthaften Gründer die beste Rechtsform ist. Vielleicht lohnt sie sich nicht finanziell von Anfang an, wenn Du es bis zum letzten Cent durchrechnest. Aber auf jeden Fall stellt sie die Weichen für langfristige Stabilität. Die „Vorteile“ Eigentum und Mitarbeit zu trennen, Bilanzen erstellen zu müssen und eine wirtschaftliche Einheit jenseits Deines Privatkontos zu haben, trainieren Dir unternehmerische Disziplin an. (Falls das ein Thema für Dich ist, schau Dir unseren Beitrag zum Nutzen eines Businessplans an.)
Alternativ bietet sich ein Einzelunternehmen als Rechtsform an, wenn Du noch in der Testphase oder nebenberuflich unterwegs bist. Auch die niedrigen Kosten zur Gründung und Unterhaltung können ein wichtiger Grund für die Entscheidung sein. Wenn der Rahmen allerdings größer wird, dann sind die meisten sowieso irgendwann an dem Punkt, dass sie in Richtung GmbH überlegen.

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