Welche ETFs lohnen sich für eine Geldanlage

Welche ETFs lohnen sich für eine Geldanlage?10 min Lesezeit

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Vor ein paar Wochen bin ich über die Frage gestolpert, welche 3 ETF ich zur Zeit kaufen würde. Die Frage ließ mich irgendwie auch nicht mehr los. Allgemein ausgedrückt, steckt für mich darin der Gedanke „Welche ETFs lohnen sich?“. Wie so häufig, ist die Antwort von einer Vielzahl von Überlegungen und Bedingungen abhängig. Also beschloss ich, etwas umfangreicher darauf zu antworten.

Lohnend ist subjektiv

Bevor Du beurteilen kannst, ob sich ein ETF lohnt oder nicht, muss Du festlegen, was erreicht werden soll. Nur im Vergleich zu Anforderungen bzw. einem Ziel, können Investments sinnvoll sein.
Im ersten Schritt, lege ich daher für mich die Rahmenbedingungen fest, unter denen ich die Frage, welche ETFs sich lohnen, beantworten will. Dazu habe ich schon etwas detailliertere Überlegungen im Artikel, wie man 10.000 Euro anlegen sollte, angestellt. An dieser Stelle lasse ich also tiefer gehende Erklärungen außen vor.

Ziel

Mein Ziel ist langfristiger Vermögensaufbau für die Altersvorsorge und um meinen Kindern etwas zu hinterlassen.

Zeithorizont

Da ich hoffentlich noch über 30 Jahre habe, bis das soweit ist, nehme ich das als Planungshorizont.

Abhängigkeit vom Investment

Ich werde nur Geld einsetzen, dass ich nicht benötige. Reserven, Möglichkeiten der Kreditaufnahme und eine solide Einkommenssituation sind vorhanden. Dadurch kann ich das investierte Geld „gedanklich abschreiben“.

Allgemeine Strategie

„Welche ETFs lohnen sich?“, kann für mich nur mit einer Strategie in Richtung maximaler Rendite beantwortet werden. Ich bin also gewillt hohe Schwankungen und ggf. zwischenzeitliche Verluste auszuhalten, als Preis für eine überdurchschnittliche Rendite.

Gewünschte Eigenschaften/sonstige Bedingungen

Die ETFs, die als Investment in Frage kommen, sollen regelmäßig Erträge ausschütten, physisch replizieren und zu den 10 günstigsten gehören, die ich finden kann. Als Fondswährung kommt für mich nur Euro in Betracht und das Portfolio-Management soll so wenig Zeit wie möglich in Anspruch nehmen, sobald die Entscheidung getroffen wurde, welche ETF sich lohnen.

Der erste Schritt ist somit abgeschlossen. Als nächstes gehe ich auf die Auswahl der Assetklassen und grundsätzliche Überlegungen zur Risikostreuung ein.

Auswahl der Assetklassen

Wichtigkeit für Investoren
Wichtigkeit für Investoren

Die Asset Allocation spielt für die meisten Investoren eine sehr große Rolle für den Erfolg einer Anlagestrategie. Mit dem Ziel, eine maximale Rendite über einen Zeitraum von 30 Jahren zu erzielen, kommen entsprechend nur Anlageklassen mit hohen historischen Renditen (und natürlich hohem Risiko) in Frage.

Aktien

Einen Einblick in die langfristige historische Performance unterschiedlicher Assets liefert das Investment Return Yearbook 2020 der Credit Suisse. Aus diesem lässt sich ablesen, dass Aktien in den letzten 120 Jahren die profitabelste Geldanlage nach Inflation war. Ich gehe auch für die Zukunft davon aus, auch wenn ich das mit nichts beweisen kann. Es ist eine Annahme. Mir ist natürlich klar, dass dies nicht für jedes einzelne Jahr gilt. Bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren, sollte sich das allerdings in diesen langfristigen Verhältnissen einpendeln.
Zur Info: Die langfristige Rendite von Aktien ist im Schnitt 5,2% nach Inflation. Dabei wurden alle verfügbaren Kategorien von Aktien, durch alle historischen Widrigkeiten hindurch (Weltkriege, Sozialismus, Pandemien, Wirtschaftskrisen, etc.) berücksichtigt. Ein Investor würde natürlich die Rendite in seinem Depot inklusive der Inflation sehen und wäre dann wahrscheinlich bei 7 bis 8% pro Jahr.

Spezielle Aktien

Wegweisende Forschung im Bereich Finanzmärkte kam von den Herren Eugene Fama und Kenneth French. Sie haben mit ihren Studien eine Theorie zu allgemeinen Risikofaktoren von Aktien und Anleihen entwickelt. Kernelement ihrer Theorie ist, dass sich unterbewertete Aktien (Value Factor) und kleine Unternehmen (Size Factor) historisch besser entwickelten als der Gesamtmarkt. 
Mit der Zeit kamen weitere Faktoren, auch von anderen Wissenschaftlern, hinzu. So spricht man heute auch von Growth Factor (die Aktien mit starkem Wachstum in den Kennzahlen), Profitability Factor (Aktien von Unternehmen mit hoher Profitabilität) und zum Beispiel dem Investment Factor (Unternehmen mit hoher Bilanzsumme). All diese Kategorien scheinen mehr und mehr die Performance eines beliebigen Portfolios zu erklären. Diese Faktoren haben historisch in unterschiedlichen Marktphasen mal mehr und mal weniger für unterschiedliche Ergebnisse bei der Rendite gesorgt. Ihr Einfluss ist auch innerhalb eines Portfolios nicht immer gleich. 

Das in meinen Augen Relevante, ist, dass es einen „begründeten Verdacht“ gibt, dass der Value Factor und der Size Factor eine solide Outperformance liefern können. Portfolios, die also anteilig mehr Aktien dieser Kategorien beinhalten als der Gesamtmarkt, lassen eine höhere Rendite erwarten als der Gesamtmarkt.

Schlussfolgerungen

Die ETFs, die sich lohnen (also langfristig höheres Potenzial haben als der Durchschnitt aller Aktien), sollten nach aktuellem Stand der Forschung Schwerpunkt mäßig in die Anlageklasse Aktien investieren. Innerhalb des Aktienmarktes sollte ein Fokus auf unterbewertete Unternehmen und kleine Unternehmen gelegt werden, da es viele Anzeichen dafür gibt, dass diese Faktoren langfristig für bessere Ergebnisse sorgen können.

Meine Verteilung soll folgendermaßen aussehen:

40% weltweite Value Aktien
40% weltweite Small Cap Aktien
20% weltweite Aktien

Ich gehe davon aus, dass sich damit über 30 Jahre im Durchschnitt 9 bis 11% realisieren lassen. Zum Vergleich, der DAX hat seit dem 01.01.1988 eine jährliche Rendite von 8,3% gehabt.

Risikobetrachtung

In diesem Abschnitt will ich einige Risiken bei der Anlage in Aktien-ETFs besprechen. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig. Ich versuche lediglich ein paar Bereiche als Anregung zum Nachdenken aufzuzeigen.

Gewichtung nach Marktkapitalisierung

Unabhängig davon, worin ein ETF genau investiert, gibt es einen Hang der meisten ETFs die Werte nach Marktkapitalisierung zu Gewichten. Zum Beispiel ist der S&P 500 ein marktkapitalisierungsgewichteter Index. Die Folge ist, dass Du glauben könntest, dass Du mit einem ETF auf den S&P gut diversifizierst. Tatsächlich ist Deine Performance aber zu über 40% von gerade mal 25 Unternehmen abhängig. Das sind gerade mal 5% der 500 Unternehmen im S&P. Diesen Effekt will ich versuchen, zu umgehen. Es gibt gleichmäßig gewichtete ETFs. Man könnte auch den Weltmarkt (gewichtet nach Marktkapitalisierung und damit großer Anteil aus den USA) zerlegen in Länder- und oder Branchen-ETFs, um diesen Effekt zu mindern.

Klumpenrisiken

Welche ETFs lohnen sich für eine Geldanlage

Ähnlich dem eben besprochenen Effekt ist eine weitere Sache, die man bei der Frage „Welche ETFs lohnen sich?“ bedenken muss. Wenn Du unterschiedliche ETFs ins Depot kaufst, dann kann es passieren, dass diese in die gleichen Unternehmen investieren. Sollte das der Fall sein, dann wird Deine Rendite wieder von einzelnen Werten ungewollt stärker bestimmt als von anderen. Du solltest also einen Blick über das Fact Sheet hinaus in die Verkaufsunterlagen werfen, um herauszufinden, ob Du gerade dabei bist, Dir „lump risks“ einzuhandeln.

Kostenrisiko

Kosten sind bekanntlich der Rendite-Killer Nummer 1. Unter der Annahme, dass die ETFs im Zielkorridor/im Fokus alle eine ähnliche Auswahl treffen, ist ein maßgebliches Unterscheidungsmerkmal die Quote der laufenden Kosten. Je geringer diese ausfällt, desto besser für die Rendite.
Nehmen wir kurz an, eine Geldanlage von monatlich 100 Euro wirft 10% für 30 Jahre ab. Am Ende hättest Du rund 208.000 Euro. Wenn die Kostenquote jetzt 0,2%-Punkte höher liegt, heißt das für die Rendite 0,2%-Punkte weniger. Ein Sparplan mit 9,8% bringt nach 30 Jahren dann nur noch 200.000 Euro und kostet demnach 8.000 Euro. Je höher die Rendite ist, desto deutlicher wird dieses Verhältnis. Bei 11% und 10,8% sind es dann schon 10.000 Euro Unterschied.

Welche ETFs lohnen sich für eine Geldanlage?

Im letzten Schritt kommen wir zur Auswahl der Werkzeuge. Das Hauptproblem ist, dass es in meinen Augen keine vollständige Datenbank aller ETFs gibt. Du musst also mehrere Rechner probieren und mit Deinen Suchkriterien durchforsten. Außerdem arbeiten nicht alle Datenbanken mit den gleichen Kriterien. Auf onvista zum Beispiel, kannst Du im ETF-Finder nicht die Fondswährung festlegen. Andere Rechner sind auf justetf.com und extraetf.com zu finden.

Suchparameter

Ich bin meine Suche mit folgenden Einschränkungen angegangen:

Fokus: Aktien weltweit
Replikation: voll/physisch
Ertragsverwendung: ausschüttend
Fondswährung: Euro
Strategie: ohne/Small Cap/Value

Ergebnis

Ein erstes Ergebnis ist, dass ich einen ETF gefunden habe, der die Parameter erfüllt und weltweit ohne spezielle Fokus, dafür aber gleichmäßig gewichtet (nicht nach Marktkapitalisierung) investiert. Mit diesem werde ich die 20% für den weltweiten Aktienmarkt abdecken.
ETFs die weltweit in Value und Small Cap Aktien investieren gibt es bei den meisten Suchportalen nur auf USD lautend. Jeweils einen, der in EUR notiert, habe ich jedoch gefunden. Hier ist die Gewichtung der Werte aber wieder nach Marktkapitalisierung und damit zu über 50% in den USA (und somit nicht breit) gestreut. Zum Ausgleich habe ich noch jeweils einen Small Cap und einen Value ETF mit dem Fokus auf Europa (EMU im Namen = European Monetary Union) gefunden. Diese Fonds möchte ich nutzen, um ein Gegengewicht zu den amerikanischen Werten aufzubauen.

Die viel konkretere Frage „Welche ETFs lohnen sich für eine sehr langfristige Geldanlage mit dem Ziel maximaler Rendite und den Randbedingungen auf Euro lautend, voll replizierend und ausschüttend?“ beantworte ich mit ETFs, die wie folgt investieren:

Aktien weltweit gleich gewichtet: 20%
Value Aktien weltweit: 20%
Value Aktien Europa: 20%
Small Cap Aktien weltweit: 20%
Small Cap Aktien Europa: 20%

Ich hoffe, jeder sieht, dass das so entstehende Portfolio den asiatischen Raum und die Sektion Emerging Markets vernachlässigt. Es gibt jedoch keine weiteren Fonds, die darauf fokussieren und meine vorab festgelegten Kriterien erfüllen.
Auch hatte ich mit der Kostenquote eine Bedingung, die ich bei der Suche vernachlässigt habe, da kaum ETFs mit so vielen Einschränkungen zu finden waren.

Fazit

Dieses Portfolio gefällt mir. Ich werde es definitiv selbst umsetzen. (Das ist natürlich kein Beweis dafür, dass ich richtig liege.) Aber all meine üblichen Kriterien an langfristige Geldanlagen sind erfüllt und ich sehe das Potenzial, dass meine persönliche Messlatte, der DAX, geschlagen werden kann.
Ein wesentlicher Grund, warum ich eine weltweite Streuung gewählt habe, ist die Vermeidung persönlicher Meinungen zu „tollen“ Branchen, Ländern oder Themenschwerpunkten. Niemand kann in die Zukunft sehen, um mit Sicherheit zu entscheiden, welche Investments sich lohnen. Mit dieser Zusammenstellung habe ich versucht, losgelöst von persönlicher Neigung und Trendthemen in den Medien und Märkten, eine Antwort zu finden auf die Frage, welche ETFs sich (langfristig nahezu immer) lohnen (sollten).

Die Zusammenstellung des Portfolios kann und sollte in meinen Augen langfristig beibehalten werden. Das zieht ein regelmäßiges Re-Balancing nach sich. Der Weg, den ich beschreite werde, ist die Einzahlung neuer Gelder zu nutzen, um jährlich die Ausgangsverteilung (grob) wieder herzustellen. Diese Art des Re-Balancings ist dem Umstand geschuldet, dass ich ungern verkaufe. Ich sehe mich selbst als Buy & Hold-Investor.

Wichtige Hinweise

Die zur Verfügung gestellten Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder eine Beratungsleistung dar, sondern ausschließlich meine subjektive Meinung. Die Recherche, die diesem Artikel vorausgegangen ist, kann weitere nicht genannte Punkte enthalten, die für mich meinungsbildend waren bzw. unvollständig in den Augen eines Dritten sind. Natürlich kann es auch weitere Risiken geben, die ich hier nicht bedacht (Unkenntnis) oder besprochen (da für mich nicht relevant) habe. Weder ich noch die JFP GmbH übernehmen die Haftung für Verluste aus Wertpapiergeschäften, die ein anderer tätigt.

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