Woran muss ich bei der Altersvorsorge denken?

Woran muss ich bei der Altersvorsorge denken?4 min Lesezeit

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Sich um seine Altersvorsorge zu kümmern, wird immer wieder gern aufgeschoben. Das „Risiko der Langlebigkeit“ ist selten gut abgesichert. 
Vor allem Selbstständige sind in diesem Bereich nicht gut aufgestellt. Viele denken auch, dass Ihr Unternehmen Teil Ihrer Altersvorsorge sein kann. Doch woran solltest Du als Selbstständiger beim Thema Altersvorsorge alles denken?

Früher besser als später

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz bei der Geldanlage. Das heißt: Zeit schlägt alles! Stell Dir vor, Du legst jetzt monatlich Geld fürs Alter an den Rand, sagen wir 200,- Euro. Das tust Du für die nächsten 15 Jahre zu durchschnittlich 6%. Danach wartest Du noch 15 Jahre.
Jetzt stell Dir eine zweite Variante vor. Du wartest jetzt erst noch 15 Jahre und legst dann für die nächsten 15 Jahre monatlich für die Altersvorsorge weg, diesmal 400,- Euro zu 6%.
Das für viele verblüffende Ergebnis: Im ersten Beispiel landest Du bei etwas über 138.000,- nach 30 Jahren. Im zweiten Beispiel, obwohl doppelt so viel eingezahlt wurde, endet man mit etwas über 115.000,- Euro nach 30 Jahren (Kosten und Steuern wurden hier nicht berücksichtigt, da es nur um die Veranschaulichung eines Prinzips ging). Hättest Du nach 15 Jahren auch nur 200,- Euro monatlich eingezahlt, wärst Du bei 57.000,- Euro gelandet.
Das, was das erste Beispiel so besonders macht, ist, dass hier das Geld mehr Zeit hatte Zinsen auf bereits erhaltene Zinsen zu erwirtschaften. Das ist der Zinseszinseffekt. Einstein soll ihn als 8. Weltwunder bezeichnet haben.

Altersvorsorge Was aus 100 Euro nach 15 Jahren wird?
Was aus 100 Euro nach 15 Jahren wird?

Rendite schlägt Steuern

Nächste Überlegung: Für Deine Altersvorsorge suchst Du Dir, eine Lösung in der Du die Beiträge steuerlich absetzen kannst und sparst damit natürlich jedes Jahr bares Geld. Das Problem: Diese Anlage erwirtschaftet nur 5% nach Kosten. Du hättest mit unserem „200,- Euro für 15 Jahre“-Beispiel also etwas über 53.000 Euro für Deine Altersvorsorge. Aber Du hättest Steuern gespart. Wie viel? Nun, sagen wir 30% auf die gezahlten Beiträge, 200,- x 12 Monate x 15 Jahre. Das wären dann 10.800,- Euro gesparte Steuern.

Zum Vergleich: Wenn Du für Deine Altersvorsorge (200,- Euro monatlich für 15 Jahre) ein Produkt findest, was steuerlich nicht geltend gemacht werden kann, aber dafür 7,5% nach Kosten erwirtschaftet, dann landest Du bei etwas über 65.000,- Euro.

Der findige Kritiker wird jetzt einwerfen: „Ja, aber was, wenn ich die 10.800,- gesparte Steuern mit anlege zu 5%?“

  1. Das habe ich in über 10 Jahren in der Finanzdienstleistung erst ein einziges Mal gesehen. (Was nicht heißen soll, dass es keiner macht. Sondern nur, dass ich glaube, dass es super selten ist, weil es enorme Disziplin erfordert.)
  2. Dem ist entgegen zu halten, dass in der Einzahlphase steuerbegünstigte Produkte, mit einem Steuernachteil in der Auszahlphase daher kommen. Das müsste man dann auch gegen rechnen. Und
  3. 7,5% kann auch, immer noch realistisch auf 8% oder 8,5% angepasst werden. In dem Fall hilft mir der angelegte Steuervorteil immer noch nicht weiter.

Ich wollte mit diesem Beispiel nur den Gedanken schärfen, dass Du Deine Altersvorsorge nicht mit dem Fokus auf „Steuerersparnis“ beginnst, sondern mit dem potenziellen Bedarf, den Du hast und den Werkzeugen die notwendig sind, um diesen Bedarf zu decken.

Altersvorsorge mit einem Unternehmenswert

Heutzutage ist es enorm schwierig geworden, einen Nachfolger für sein Unternehmen zu finden. Selbst Ärzte und Steuerberater klagen, dass sie Ihre Geschäfte nicht abgeben können. 
Gehen wir für einen Moment davon aus, dass dieses kleine Hauptproblem gelöst ist. Kommen wir zu dem Wert eines Unternehmens bei einem Selbstständigen. 
Ein potenzieller Käufer würde eine Sache nur kaufen, wenn Sie ihm mehr Wert erscheint als der Kaufpreis. Dieses banal klingende „Gesetz“ der Marktwirtschaft hat eine weitreichende Folge. Nämlich, wenn Deine Firma, sagen wir auf dem Papier 100.000,- Euro wert ist, dann ist der Käufer wahrscheinlich nur gewillt, 80.000,- oder 90.000,- Euro in die Hand zu nehmen. Und dann fällt ihm ein, dass das alles noch mit Risiko behaftet ist und er nimmt nochmal einen Abschlag von 20% vor. Wir sind also in der Region 60.000 bis 70.000 Euro angelangt, die für die Altersvorsorge zur Verfügung stünden.

Spulen wir kurz ein Stück zurück. Nehmen wir an, Du findest keinen Käufer. Dann ist Dein Unternehmen genau das wert, was Du für die Einzelteile bei einem Verkauf kriegen würdest, abzüglich noch offener Schulden versteht sich.

Und überhaupt, war nicht mal ein Gedanke bei der Gründung, dass Du ein Unternehmen aufbaust, das von allein läuft und das Du an Deine Kinder vererben kannst? Bye, bye Altersvorsorge… 🙂

Fazit

Die Thematik und die Produktauswahl im Bereich Altersvorsorge sind komplex. Es ist enorm wichtig, so früh wie möglich anzufangen. Und es ist wahrscheinlich am besten, wenn Du Deine Altersvorsorge unabhängig von Deinem Unternehmen regelst. Auf diese Weise ist alles, was passieren kann, dass Du mit Rentenbeginn ein paar Euro „zu viel“ auf Deinem Konto hast.
Kümmere Dich! Denn, wenn Du „Pech“ hast, wirst Du noch 100.

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