ETF-Sparplan oder Rentenversicherung

ETF-Sparplan oder Rentenversicherung?6 min Lesezeit

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Lieber ETF-Sparplan oder Rentenversicherung für die Altersvorsorge? Diese Frage stellt sich bei einer ernsthaften Beschäftigung durchaus irgendwann. Hier der Versuch einer Antwort.

Wofür ist ein ETF-Sparplan?

Wenn Du über einen ETF-Sparplan nachdenkst (unabhängig davon, ob es ein ETF auf Aktien, REITs, Rohstoffe oder Anleihen ist), dann sollte eines Deiner Ziele der Aufbau von Vermögen sein. Vermögen kann natürlich auch für die finanzielle Versorgung im Alter genutzt werden. Aber man kann Vermögen natürlich auch für 100.000 andere Zwecke einsetzen. Der Grund, warum ich das unterscheide, ist, dass es auch anders geht, wie wir am Beispiel Versicherung gleich sehen werden.

Vor- und Nachteile eines ETF-Sparplan

Einer der großen Vorteile, die immer wieder angeführt werden, ist die Kostenstruktur dieses Produktes. ETFs, ob auf Aktien, Anleihen oder sonst irgendetwas, sind im Regelfall deutlich günstiger als die meisten Spar- und Investmentprodukte. 
Außerdem ermöglichen sie einen Zugang zu und Diversifikation in Anlageklassen, die sonst eher unzugänglich sind (z.B. Rohstoffe oder Anleihen).

Diesen wesentlichen Vorteilen stehen natürlich auch ein paar Nachteile gegenüber, die Du auf dem Schirm haben solltest.

ETF-Sparplan oder Rentenversicherung

Zum Einen ist es aufgrund der riesigen Auswahl für viele Menschen schwierig, sich zu entscheiden. „Nehme ich besser einen swap-basierten nach Marktkapitalisierung diversifizierten und zu USD gehedgeten ETF auf weltweite Aktien oder doch lieber einen physisch replizierenden nach BIP diversifizierten ETF auf EUR lautend?“, ist eine Frage, die nur wenige Menschen für sich in ihrer Freizeit beantworten wollen.
Zum Anderen geht mit dem Aufbau eines Vermögens in einer schwankenden Anlageklasse auch immer die Schwankung nach unten einher. Dabei kommen Menschen häufig an ihre Grenzen und bauen entweder das Vermögen gar nicht erst auf oder treffen die falsche, weil unüberlegte, Entscheidung im Krisenfall.

Der letzte Punkt ist nicht so sehr auf ETFs bezogen, sondern auf den Fakt, dass es liquides Vermögen ist, das für die Altersvorsorge genutzt werden soll. Angenommen, Du bist jetzt 67 Jahre und gehst in Rente. Du hast im Verlauf Deines Lebens 200.000 Euro in ETFs aufgebaut. Wie viel nimmst Du jetzt pro Monat aus Deinem Depot? Sagen wir, Du findest einen Rechner für einen Entnahmeplan und rechnest mit 6% bis zur durchschnittlichen Lebenserwartung (81 Jahre) in Deutschland.

ETF-Sparplan oder Rentenversicherung

Dann könntest Du ungefähr 1.750 Euro jeden Monat entnehmen bis das Depot leer wäre. Angenommen, Du bist vorsichtig und gehst davon aus, dass Du 100 wirst. Dann könntest Du rund 1.150 Euro jeden Monat abheben. Die Frage die sich aufdrängt: Was machst Du, wenn Du 101 wirst?

Wofür ist eine Rentenversicherung?

Was vielen als altklug vorkommt und doch gesagt werden muss: Eine Versicherung versichert ein Risiko! Es ist (ursprünglich) kein Werkzeug zum Vermögensaufbau. Im Fall der Rentenversicherung wird das Risiko der Langlebigkeit versichert. Was heißt das übersetzt? Wenn ich brav spare und die Versicherung mir ab 67 eine Rente zahlt, dann habe ich im Regelfall eine Rente, die für den Rest meines Lebens gezahlt wird, selbst wenn ich 130 werde.

Vor- und Nachteile einer Rentenversicherung

Mir ist auch klar, dass eine Rentenversicherung auch zum Vermögensaufbau genutzt werden kann. Jedoch entfaltet sie ihre große Stärke beim Versichern eines Risikos (Wer hätte es gedacht?). Du musst Dir keinen Kopf darum machen, ob das Vermögen reicht. Das ist das Problem der Versicherung.

Außerdem treten bei einer Versicherung (und ich gehe hier von einer fonds- bzw. ETF-gebundenen Rentenversicherung aus) die zwei Nachteile der ETFs nicht auf. Die Auswahl ist üblicherweise im Voraus eingeschränkt und ich kann üblicherweise nicht regelmäßig den Stand meines Guthabens verfolgen. Folglich erspart die Rentenversicherung eine Menge emotionalen Stress, wenn die Märkte schwanken.

Letzter Pluspunkt: Die Leistung aus einer Rentenversicherung ist nach aktuellem Stand deutlich geringer besteuert als die (gewinnabhängige) Entnahme aus einem ETF- bzw. Fondsdepot.

Diesen Vorteilen stehen zwei wesentliche Nachteile gegenüber. Zum Einen, kann es durch die Vorauswahl der ETFs durch den Versicherer dazu kommen, dass die Auswahl auf eine mäßige Palette zusammen gekürzt wird. Zum anderen sind Rentenversicherungen in ihrer derzeit üblichen Form sehr teuer.

Zillmerung und andere Kosten

Der Grund für diese hohen Kosten liegt in der Vertragsgestaltung. Die Vertriebskosten (hauptsächlich die Provision des Agenten oder Makler) werden bei den meisten Verträgen für die gesamte Laufzeit berechnet und dem Vertrag am Anfang belastet. Du startest „quasi im Minus“. (Der eine oder andere kennt das Prinzip vielleicht von einem Bausparvertrag.) Der eine Effekt ist, dass Du in den ersten Jahren nichts zurück bekommst im Fall einer Kündigung. Der andere ist, dass Du die Kosten für in 20 Jahren heute schon bezahlen musst und das natürlich auf die Rendite drückt und zwar erheblich. 

Zusätzlich musst Du schauen, in welchem Verhältnis die Versicherung aus dem ETF-Volumen eine Rente macht. Das bestimmt der Rentenfaktor (je 10.000 Euro Kapital) Manche Rechenbeispiele der Stiftung Warentest zeigen wohl, dass man mit manchen Verträgen über 100 werden muss, um sein Kapital zu verbrauchen.

Fazit

Die Zillmerung und niedrige Rentenfaktoren in einer Rentenversicherung kann ich mit einem fähigen Makler, Vertreter oder (sehr) gründlicher Recherche umgehen. Damit erhalten wir als echten Nachteil nur noch Zeitaufwand. Allerdings haben wir dieses Problem auch bei ETFs. Wer glaubt, mit einem MSCI World ETF sei es getan, der verkennt, wie gut es in den letzten Jahren der Weltwirtschaft ging und dass im Verlauf von 30 oder 40 Jahren solche stabilen Strukturen durchaus wanken können.

(Zum Beispiel sind über 60% des MSCI World in den USA angelegt. Sollte sich die weltweite Wirtschaftsmacht zu anderen Nationen entwickeln, wird man dieser Entwicklung mittelfristig hinterher hinken und dies auch in der Rendite bemerken.)

Wer sich partout nicht aktiv mit Aktienmärkten beschäftigen will und auch sonst ein „stressfreies bzw. schwankungsarmes“ Leben bevorzugt, der hat in einer Rentenversicherung (mit der richtigen Kostenstruktur) eine brauchbare Alternative. Wer Bock hat, sich in die Thematik einzulesen und vernünftig (brauchbare Quellen und diversifiziert) vorgeht, der kann mit ETFs zusehen, wie sein Vermögen (schwankend) wächst. Und am Ende mit weiterer Vernunft einen spannenden, weil finanziell gesicherten, Ruhestand genießen, wenn Du genauso besonnen bei der Entnahme agierst, wie bei der Einlage.

Mein persönlicher Favorit bleiben Aktien-ETFs (hier unser ETF-Portfolio). Aber ich verstehe jeden, der sagt, dass er Besseres im Leben zu tun hat…

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