Zuschüsse für Gründer - Überblick und Meinung

Zuschüsse für Gründer – Überblick und Meinung6 min Lesezeit

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Wer sich selbstständig machen will, denkt wahrscheinlich auch über Zuschüsse für Gründer nach. In diesem Artikel gibt‘s einen Überblick zu den Arten von Förderungen und einige persönliche Sichtweisen.
Vor Kurzem hatten wir mit einer potenziellen Kundin ein Gespräch, die vor einigen Monaten ein Gründerstipendium des Landes NRW zugesprochen bekam. Ihr Geschäftsmodell war noch nicht an dem Punkt, an dem man planbare Einnahmen erzielt. Sie fragte uns, ob wir wüssten, wo sie noch Zuschüsse für Gründer beantragen könnte. Wohl wissend, dass das ein Thema für unseren Blog sein würde, versprachen wir, die Möglichkeiten zu recherchieren.

Podcast:

06 – Zuschüsse für Gründer – Überblick und Meinung

Die 4 Arten der Förderung für Gründer

Kredite & Bürgschaften

Das Hauptwerkzeug, um Gründer zu unterstützen, ist für unseren Staat das Angebot günstiger Kredite. Dabei liegt ein Großteil des Risikos nicht bei der Hausbank. Fördernd wirkt dies in mehr als einer Hinsicht. Zum Einen bekommen Gründer leichter Fremdkapital durch die Haftungsübernahme. Zum Anderen sind die Konditionen für diese Darlehen an Gründer angepasst. Es gibt niedrige Zinsen und eine tilgungsfreie Anlaufphase (je nach Programm 1 bis 7 Jahre) in der die Cash-Belastung sehr gering ist. Nach der Anlaufphase wird das Darlehen dann wie jeder andere Kredit zurückgeführt. 
Zum Beispiel wäre bei einer Aufnahme von 25.000 Euro, 2,21% Zinsen pro Jahr und einer Laufzeit von 10 Jahren, die monatliche Belastung in den ersten 2 Jahren rund 50 Euro (nur Zinsen). In den folgenden 8 Jahren sind es dann rund 300 Euro (Zinsen und Tilgung).

Programme der KfW

  • StartGeld (2 Jahre nur Zinsen)
  • ERP-Kapital für Gründung (7 Jahre nur Zinsen)
  • ERP-GründerKredit (2 Jahre nur Zinsen)

Die Hausbank muss überzeugt werden, dass die Gründung tragfähig ist. Oder man muss anderweitig zeigen, dass man das Geld zurück zahlen kann. Ähnliche Programme gibt es auch bei Landesbanken wie der NBank, NRW.BANK oder Investitionsbank Berlin.
Der große Nachteil ist, dass Du das Geld zurück zahlen musst, auch wenn die Selbstständigkeit schief geht.

Bürgschaften (häufig von Landesbanken) fallen in eine ähnliche Kategorie. Da es auch hier im Kern um die Haftungsfreistellung der Hausbank geht. Letztendlich bedeutet eine Bürgschaft auch die Aufnahme eines Darlehens.

Echte Zuschüsse für Gründer

Zuschüsse, die nicht den Charakter eines Darlehens haben, gibt es für Gründer mit einer gewissen Verlässlichkeit (Achtung: NICHT Garantie) eigentlich nur über die Arbeitsagentur. Sie sind für den Fall, dass Du aus einer Arbeitslosigkeit heraus gründest. Hier wird Dir unter die Arme gegriffen, wenn der Sachbearbeiter überzeugt ist, dass Deine Idee klappen kann.
Die meisten Bundesländer haben dann noch eine Art Gründerstipendium. Da muss normalerweise eine Jury das Gründungskonzept oder den Businessplan bewerten. Bei Erfolg gibt es dann für 6 bis 18 Monate eine Summe zwischen 1.000 und 3.000 Euro pro Monat, je nach Bundesland.
Die Gründerplattform hat hier eine hervorragende Übersicht über die Zuschüsse für Gründer jedes Landes.
Der riesiger Vorteil ist natürlich, dass man diese nicht zurück zahlen muss.

Hier gibt es auch spezielle Zuschüsse für Gründer aus dem Hochschulbereich oder dem Technologiesektor. Das Programm EXIST ist ein Beispiel dafür.

Beteiligungen oder ähnliche Werkzeuge

Es gibt in diesem Bereich zum Beispiel den Mikromezzaninfonds Deutschland. Die Idee ist, dass die Eigenkapitalbasis eines jungen Unternehmens gestärkt wird, um eine weitere Fremdfinanzierung zu ermöglichen. Der Knackpunkt ist, dass es meistens Auflagen gibt, die vom Gründer verlangen, selbst Eigenkapital beizusteuern. Zudem sind diese Programme regelmäßig für etwas größere (wenn auch nach Definition immer noch kleine) Unternehmen und nicht für eine Ein-Personen-Selbstständigkeit ausgelegt. 
Die Konditionen sind teilweise auch „schlechter“ als bei den Krediten und es wäre auch immer mit einer Rückzahlung des Kapitals verbunden. Du solltest diese Werkzeuge also nicht wie Zuschüsse für Gründer betrachten, auch wenn Eigenkapital dran steht.

Coaching, Mentoring, Beratung, Bildung

Als Letztes gibt es noch ein großes Spektrum an Angeboten, die eher die nicht-finanzielle Seite der Gründung betreffen. Hier geht es um den Aufbau von Wissen, die Vernetzung mit anderen und die Nutzung von Erfahrung. Manche Dinge werden gefördert (zum Teil spezifisch für eine Stadt oder Region), viele Angebote sind kostenfrei und andere muss man wiederum bezahlen. An dieser Stelle gibt es keinen detaillierten Überblick, weil es zum Einen zu viel gibt. Zum anderen sind alle Zuschüsse für Gründer in diesem Bereich zweckgebunden. Das eigentliche Vorhaben wird dabei nicht direkt finanziert.

Unsere Meinung zum Thema Zuschüsse für Gründer

Als Erstes will ich etwas zu den Krediten sagen. Darlehen sind ein gutes Werkzeug für Selbstständige, die halbwegs planbare Umsätze haben. Oder diejenigen, die sich sicher sind, dass sie das Geld zurück zahlen können, falls das Unternehmen scheitert. Wenn es bei der Gründung nicht um Maschinen oder große Vorratsmengen geht, dann vermute ich, dass die meisten Gründer besser ohne Fremdkapital fahren. 

Als Nächstes kommen wir zu den Zuschüssen. Ehrlich gesagt, war unsere potenzielle Kundin die erste und bisher einzige Selbstständige, die wir kennen gelernt haben, die einen Zuschuss (außer durch Arbeitsagentur) erhalten hat. Die meisten Gründer, die wir kennen lernen durften, suchen sehr lange nach Fördermöglichkeiten. Einen Kredit lehnen die meisten zurecht ab. Und bei Zuschüssen stellen viele fest, dass sie vielleicht ein einzelnes Kriterium nicht erfüllen. Oder die Beantragung artet in mehr Arbeit aus als erwartet.

Ich will nicht sagen, dass es vergebens ist, zu suchen. Aber Du solltest Dir meiner Meinung nach reiflich überlegen, ob Zuschüsse für Gründer das richtige Werkzeug sind. Nehmen wir mal für eine Sekunde lang an, Du würdest Gelder bekommen. Die Folge (nach meiner Erfahrung) wäre bei den meisten, dass sie es „relaxed“ angehen können. Dadurch entwickelst Du nicht genug Biss. Weil der Druck nicht da ist, Deine Idee zum Erfolg zu führen. Meiner Meinung nach vernebelt es auch die Sicht im Falle des Scheiterns. Weil Du bequem wirst und Dir einredest, dass das schon noch wird. Auch wenn alles dagegen spricht. Ich habe das mehr als ein Mal genau so erlebt. 
Zugegeben, das ist eine sehr subjektive Sicht. Und auf einige mag das nicht zutreffen. Warum solltest Du ein „free lunch“ auch nicht mitnehmen? Ich habe darauf keine Antwort, als die bereits gegebene. 

Die meisten fragen sich an dieser Stelle, was man tun kann, wenn man kein Geld hat, um über Wasser zu bleiben. Auch ich war schon an diesem Punkt und habe mir einen Nebenjob besorgt und habe meine Selbstständigkeit weiter verfolgt. Ich sage damit übrigens nicht, dass es einfach ist und jede Selbstständigkeit so voran gebracht werden kann. Ich glaube nur, dass es Wege gibt, wie man eine gute Idee finanzieren kann.

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