Wie hoch sollte die Liquiditätsreserve eines Selbstständigen sein?

Wie hoch sollte die Liquiditätsreserve eines Selbstständigen sein?4 min Lesezeit

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Dir ist klar, dass Du eine Liquiditätsreserve bilden musst? Du willst ja, aber Du weißt nicht, welche Höhe richtig ist und wie Du dabei vorgehen sollst? Dieser Artikel soll Dir zeigen, wie in unseren Augen eine sinnvolle Vorgehensweise aussieht.

Podcast:

03 – Wie hoch sollte die Liquiditätsreserve eines Selbstständigen sein?

Die grundsätzliche Höhe der Liquiditätsreserve

In der Lagerwirtschaft gibt es eine Kennzahl, die misst, wie lange das Lager ohne weitere Bestellungen auskommt. Das nennt sich Lagerreichweite. Du nimmst den Lagerbestand und teilst ihn durch den täglichen oder monatlichen Bedarf. Du erhältst die Dauer bis das Lager leer ist.
Diese Idee lässt sich auch auf die Finanzen übertragen. Obwohl er nicht der erste mit dem Konzept war, hat Stefan Merath (Autor „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“) meiner Meinung nach einen knackigen Begriff dafür geprägt: die finanzielle Reichweite.

Die Idee ist, dass Du Deinen „Lagerbestand“ an Liquidität nimmst und durch den monatlichen Bedarf teilst. Du erhältst die Reichweite Deines Cashs. Üblicherweise nimmt man beim monatlichen Bedarf die fixen Ausgaben (Gehälter, Mieten, Versicherungen, Kreditraten, usw.). Deine Liquiditätsreserve sollte also ein paar Monate abdecken.
Herr Merath gibt 6 Monate als eine sinnvolle Größe an. Wir sind eher der Meinung, dass es vielleicht eher in Richtung 12 Monate gehen sollte. Es hängt natürlich von Dir selbst ab, welcher Betrag an Liquiditätsreserve Dich nachts ruhig schlafen lässt. Aber wer langfristig überleben will, sollte auf jeden Fall die 6 Monate anpeilen.

Wie baut man eine Liquiditätsreserve auf?

Jeder Euro in einem Unternehmen sollte einen gewissen Zweck erfüllen. In unserem Beispiel im Bild kannst Du den typischen Verlauf des Kontostands eines kleinen Unternehmens sehen.

Wie hoch sollte die Liquiditätsreserve eines Selbstständigen sein?
„Bodensatz“ = Liquiditätsreserve

Es fällt auf, dass unter normalen Bedingungen der Wert selten bis gar nicht unter die grüne Linie bei 7.500,- fällt. Das ist die echte Liquiditätsreserve. Alles darüber unterliegt deutlichen Schwankungen. Das ist die operative Liquidität, die zum Betrieb notwendig ist. Im Idealfall würde die grüne Linie natürlich steigen. 

Aber halten wir fest, Du brauchst Liquidität, um das Tagesgeschäft abzuwickeln. Und Du solltest Dir eine zusätzliche Liquiditätsreserve aufbauen, die schnell verfügbar ist, wenn Du sie brauchst. Unsere Empfehlung ist, dass sie getrennt vom operativen Geschäft gehalten wird.

Davon ausgehend, dass Du Deine Liquiditätsreserve nur im Ernstfall abrufst und dieser am wahrscheinlichsten eintritt, wenn wir uns in gesamtwirtschaftlichen Krisen bewegen, stellt sich die Frage: Wie oft musst Du damit rechnen? Antwort: Alle 7 bis 11 Jahre.

Ein in unseren Augen sinnvoller Weg wäre, zu sagen: Ich habe 4.000,- monatliche Fixkosten und möchte mit meiner Reserve 9 Monate überleben. Ich brauche also 36.000,- in 10 Jahren (vorausgesetzt, die letzte Krise ist gerade vorüber). Der durchschnittliche operative Cash liegt bei 16.000 Euro. Es fehlen also noch 20.000 Euro. Ohne einen Zinssatz zu berücksichtigen, muss ich also (20.000,- geteilt durch 10 Jahre geteilt durch 12 Monate) 167,- pro Monat in meine Liquiditätsreserve stecken. Mit Zinsen ist es weniger.

Fazit

Es gibt eine Faustregel bei der Unternehmensführung. Die heißt „Liquidität geht vor Rentabilität“ oder anders „Überleben ist wichtiger als Profit“. Jeder Selbstständige muss sich Gedanken zum Thema Rücklagen machen. Die Pandemie hat dies vielen vor Augen geführt.

Wir sind übrigens auch der Meinung, dass jeder Euro, der über die geplante Reserve hinaus „nur rumliegt“, investiert oder entnommen werden sollte. Cash ist wichtig für das Überleben. Aber wenn das gesichert ist, dann muss ein Unternehmen die Risikoträger entlohnen (=rentabel sein) und im Wert steigen.

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