Unternehmenswert bei Selbstständigen

Wie ermittelt sich der Unternehmenswert bei Selbstständigen?3 min Lesezeit

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Für die Bestimmung des Unternehmenswertes gibt es anerkannte Vorgehensweisen. Aber wie verhält sich das, wenn man den Unternehmenswert bei einem Selbstständigen ermitteln will? Dieser Artikel geht auf die Feinheiten und Unterschiede ein, die in diesem Zusammenhang auftreten.

Substanzwert vs. Ertragswert

Im Großen und Ganzen gibt es zwei große Richtungen der Betrachtung eines Unternehmens. Zum Einen ist da der Blick auf die Substanz. Damit sind die Werte aller Güter abzüglich Schulden gemeint. Vor allem Betriebe, die Maschinen oder ein großes Lager haben, sollten diese Perspektive nicht gleich aufgeben. In einem Dienstleistungsbetrieb gibt es häufig nicht so viel physische Substanz, mal abgesehen von der Liquiditätsreserve. Aber auch hier kann es sich lohnen, nachzuschauen.
Zum Anderen gibt es die Betrachtung, was die erwarteten Erträge des Unternehmens in der Zukunft heute wert sind. Dabei schaut man sich üblicherweise nicht den steuerlichen Gewinn, sondern die Cashflows an. Das ist wie bei der Geldanlage. Wenn ich in einem Jahr 10,- Euro Gewinn habe und gerne 10% Rendite auf mein investiertes Kapital hätte, dann kann ich heute bis zu 100,- Euro investieren.

Der Unternehmenswert bei Selbstständigen

Die oberen Überlegungen sind natürlich nur in ihren Grundzügen dargestellt. Im Folgenden soll der Fokus auf dem Ertragswert-Verfahren liegen. Das ist in der Praxis das häufigere.
Eine wesentliche Besonderheit ergibt sich bei einem klassischen Selbstständigen, der alles „auf eigene Kappe“ macht. Hier muss von den üblichen Einnahmen noch die Bezahlung des Selbstständigen runter gerechnet werden. Das Problem dabei ist, dass es viele Selbstständige gibt, die sich nicht „marktgerecht“ bezahlen (Auf Seite 33/Tabelle 8.1 zeigt die Nettogehälter für das unterste bis oberste Viertel aller Solo-Selbstständigen). Man muss also ein angemessenes Gehalt abziehen und darf nicht erwarten, dass ein potenzieller Käufer gewillt ist, ein unterdurchschnittliches Einkommen zu akzeptieren. Das macht den Unternehmenswert bei Selbstständigen mit niedrigem Gehalt oft negativ.

Das zweite Problem, das auftritt, ist der Umstand, dass viele Selbstständige betrieblich unnötige Ausgaben in Ihren Zahlen haben, da sie eher für den privaten Nutzen des Selbstständigen sind. Klassische Beispiele sind 2. Auto, 2. PC, 2. Handy, 2. Tablet und so weiter. Auch diese Größen müssen in der Berechnung des Unternehmenswerts bei Selbstständigen korrigiert werden.

Die Wertermittlung

Wenn Du jetzt also über den Daumen peilen möchtest, was Dein Gewerbe als Preisschild trägt, ergibt sich folgendes grobes Schema:

durchschnittlich zu versteuernder Gewinn
– marktgerechtes Gehalt für den Selbstständigen/ Geschäftsführer
+ Abschreibungen (da die im Gewinn stecken, aber keine Ausgaben sind, die den Kontostand verringern)
zukünftige erwartete Steuerlast 
+ nicht notwendige Ausgaben (die ja entfallen würden mit neuem Eigentümer)
+ gebildete Rückstellungen (selbe Begründung wie bei Abschreibungen)
———————
= geschätzter Cashflow

Sofern dieser Cashflow durch regelmäßig erzielbare Geschäfte entstanden ist, kannst Du ihn als Grundlage für die Berechnung nehmen. Sonst musst Du alles nicht regelmäßige auch raus rechnen.
Für eine Daumenpeilung könntest Du diese Größe durch 15% teilen. Das ist in unseren Augen eine sinnvolle Rendite für eine Schätzung. Wer mag kann natürlich auch höher oder tiefer gehen.

Eine letzte Anmerkung

Achtung, ein vernünftiger Unternehmenswert bei Selbstständigen lässt sich nur mit einer detaillierten Analyse der wirtschaftlichen Situation ermitteln. Branchenrisiken, Konkurrenz, wie gesund das Geschäft ist oder ähnliches haben wir gerade völlig ausgelassen.
Wir wollten hier ein Grundgerüst zur Vorgehensweise beschreiben. Ein echter Unternehmenswert bei Selbstständigen kann davon noch deutlich abweichen. Zudem solltest Du bedenken, dass ein potenzieller Käufer natürlich versucht, weniger zu bezahlen. Der tatsächliche Preis ist also etwas ganz anderes und von anderen Faktoren (z.B. wieviel potenzielle Käufer es gibt) abhängig.

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