Lohnt es sich, Buchführung selbst zu machen?

Lohnt es sich, Buchführung selbst zu machen?3 min Lesezeit

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Viele Selbstständige stehen gerade am Anfang vor der Frage, ob die Buchführung selbst erledigt werden sollte oder durch einen externen Dienstleister. Dabei gibt es 4 wesentliche Aspekte zu bedenken.

Geld sparen vs. ordnungsgemäße Buchführung

Der Grundgedanke ist verständlich und logisch. Wenn Du die Buchführung selbst machst, musst Du niemanden bezahlen. Dem steht entgegen, dass eine Software nur so schlau ist, wie ihr Benutzer. Denn die Software sagt Dir nicht, dass Du gemäß §4 Absatz 5 Nr. 2 des Einkommenssteuergesetzes nur 70% der als angemessen angesehenen Kosten bei einem Geschäftsessen geltend machen darfst und dabei Ort, Tag, Teilnehmer und Anlass der Bewirtung sowie Höhe der Aufwendungen auf dem Beleg erfassen musst, damit es akzeptiert wird. Eine Software wie zum Beispiel lexoffice gibt Dir nur die Konten „Bewirtungskosten abziehbar“ und „Bewirtungskosten nicht abziehbar“ vor. Entscheiden, welche Beträge wie verbucht werden, musst dann Du.

Geld sparen vs. Kosten sparen

Zu dem Fakt, dass Du weniger ausgibst, sollte sich die folgende Überlegung gesellen. Ein Profi bucht einen ganzen Monat für einen kleinen Zwei-Mann-Betrieb mit ca. 8.000 Umsatz im Monat wahrscheinlich in 2 bis 4 Stunden richtig (!) durch. Inklusive passender Gehaltsabrechnungen und aller relevanter Meldungen, z.B. der Umsatzsteuer, der Lohnsteuer und der Sozialversicherung. Die meisten Nicht-Profis brauchen für einen Monat mit ein wenig Übung einen ganzen Arbeitstag. Selbst wenn Du nur 15 Euro pro Stunde als Kostensatz für Deine Arbeitszeit ansetzt, liegst Du bei 120 Euro monatlich. Das ist auch in etwa der „Marktpreis“. Wenn Du realistisch bist und 25 Euro oder mehr ansetzt, dann ist der Profi nicht nur besser, sondern auch deutlich günstiger.

Unternehmen kennen lernen vs. externe Buchführung

Von vielen Webseiten wird angeführt, dass man sein Unternehmen besser kennen lernt, wenn man die Buchführung selbst macht. Das ist in meinen Augen absolut richtig. Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die meisten externen Buchhalter das Monatsergebnis in Form einer Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) zurück melden. Diese wird dann kurz angeschaut und landet dann häufig in der Ablage. 

Der Vergleich hinkt jedoch. Auch eine BWA kann verstanden werden (und somit das Unternehmen). Es stimmt also nur bedingt, dass Du Dein Unternehmen „besser“ kennen lernst, als wenn Du die Buchführung extern machen lässt. Das selbst Machen hat nur einen eingebauten Zwang zum Lernen. Freiwillig ist das auch mit einer BWA möglich.

Stressfrei vs. Disziplin

Ein letzter Aspekt ist die häufig gefundene Aussage, dass Buchführung stressfrei selbst gemacht werden kann, da es ja keine Rückfragen gibt und die Software ja fast alles allein erledigt. Dem möchte ich den Umstand entgegen halten, dass Du mit einem externen Dienstleister und einer monatlichen oder quartalsweisen Belegeinreichung eine gewisse Disziplin entwickelst. Erfahrungsgemäß kommt bei den selbst geführten Büchern irgendwann der Punkt, an dem Du nicht mehr up to date bist, weil Dein Tagesgeschäft wichtiger ist. Wenn Du dann zwischen Weihnachten und Neujahr (= Idealfall) oder kur vor Ostern (= Normalfall) alle Belege „in die Kiste hämmerst“, versuche Dir vorzustellen, wie stressfrei es ist, wenn Du die Hälfte der Rechnungen zusammensuchen musst, weil Dir vorher niemand gesagt hat, dass sie fehlen.

Fazit

Der Artikel soll keine Anti-Werbung gegen den Do-it-yourself-Weg sein. Ich wollte lediglich eigene Erfahrungen und Anekdoten von Geschäftspartnern aufgreifen, um vielleicht die ein oder andere Überlegung zu dem Thema Buchführung in die Waagschale zu werfen, die Du vorher vielleicht nicht bedacht hast.

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